Erkelenzer Dörfer kämpfen um ein Comeback nach dem Tagebau-Abriss
Dreieinhalb Jahre nach der Rettung vor dem Abriss kommt die Wiederbelebung der fünf Erkelenzer Dörfer nur schleppend voran. Die Region, die einst durch den Ausbau des Braunkohletagebaus bedroht war, steht nun vor einer anderen Herausforderung: Wie lässt sich Leben in die verlassenen Straßen zurückbringen? Zwar sind Pläne für Gemeinschaftszentren, einen Kindergarten und eine zukünftige Schule angekündigt – doch der Fortschritt bleibt zäh.
2022 wurden rund 1.500 Menschen aus den fünf Dörfern umgesiedelt, um Platz für den Tagebau zu machen. Seither hat es nur eine ehemalige Bewohnerin geschafft, ihr altes Haus zurückzukaufen; bei einem weiteren Vertrag steht die Unterzeichnung kurz bevor. Sechs weitere Familien überlegen eine Rückkehr, doch viele andere, wie Oliver Kanneberg, haben nach Frusterfahrungen mit dem Rückkaufverfahren aufgegeben.
Die verbliebenen Häuser, oft in desolatem Zustand, werden inzwischen auf dem freien Markt angeboten. Der Energiekonzern RWE verkauft sie zu Festpreisen von etwa 200.000 Euro – trotz dringend notwendiger, kostspieliger Sanierungen. Bis Januar 2026 haben sich jedoch nur wenige Interessenten gefunden. Die Dörfer wirken gespenstisch leer, und die Verfallserscheinungen nehmen zu.
Unterdessen müssen bis Ende des Jahres Projekte im Umfang von 2 Milliarden Euro genehmigt werden, um Bundesfördergelder für die Rheinische Region zu sichern. Bisher sind erst 546,5 Millionen Euro bewilligt. Lena Teschlade, SPD-Beauftragte, äußert Zweifel, ob die Mittel rechtzeitig abgerufen werden können, während Ina Scharrenbach, CDU-Ministerin, optimistisch bleibt, dass der Zeitplan eingehalten wird.
Bürgermeister Muckel mahnt zu Geduld und betont, die Region werde erst 2036 aufblühen, wenn der benachbarte Tagebau geflutet werde. Bis dahin verharren die Dörfer in einer Art Schwebezustand – weder ganz verlassen noch bereits wiederbelebt.
Die Zukunft der Erkelenzer Dörfer hängt davon ab, ob die Förderung gesichert und neue Bewohner gewonnen werden können. Da bisher nur wenige ehemalige Anwohner zurückgekehrt sind, kommt es auf die anstehenden Investitionen und eine langfristige Planung an. Vorerst erinnern die leeren Straßen und verfallenden Gebäude daran, wie langsam der Weg zur Wiedergeburt verlaufen kann.
