EU lockert Emissionshandel: Chemiebranche erhält Entlastung bei CO₂-Zertifikaten
Elias KellerEU lockert Emissionshandel: Chemiebranche erhält Entlastung bei CO₂-Zertifikaten
Die Europäische Kommission plant, zentrale Elemente des EU-Emissionshandels (ETS) abzumildern, um die Belastung für die chemische Industrie zu verringern. Zu den Änderungen gehören eine längere kostenlose Zuteilung von CO₂-Zertifikaten sowie Anpassungen an der Marktstabilitätsreserve. Die für Mittwoch erwarteten Vorschläge markieren eine Abkehr von der bisher strengeren Klimapolitik im Rahmen der früheren "Fit-for-55"-Reformen.
Laut Berichten vor der Ankündigung von Ursula von der Leyen sind Zugeständnisse vorgesehen, die besonders energieintensiven Branchen wie der Chemieindustrie entgegenkommen sollen. Anders als bei früheren Reformen, die das Volumen der Zertifikate kürzten, sieht der neue Plan eine Verlängerung der kostenlosen Zuweisungen vor und strich die dauerhafte Streichung von Zertifikaten in der Marktstabilitätsreserve (MSR) ersatzlos. Diese Anpassungen folgen Forderungen von Industrievertretern, darunter Evonik-Chef Christian Kullmann, der sich entweder für eine Abschaffung oder eine radikale Reform des ETS ausgesprochen hatte.
In einem kürzlich im Handelsblatt veröffentlichten Gastbeitrag plädierten Kullmann und der EU-Abgeordnete Peter Liese für pragmatische Kompromisse. Sie betonten die Notwendigkeit kluger Anpassungen, um Klimaziele mit der Wettbewerbsfähigkeit der Industrie in Einklang zu bringen. Die Chemiebranche, die unter hohen Energiepreisen leidet, profitiert nun von überarbeiteten Benchmarks und einem langsameren Auslaufen der kostenlosen Zertifikate.
Die Reformen stellen eine spürbare Lockerung im Vergleich zu früheren Entwürfen dar. Während das "Fit-for-55"-Paket die Emissionsvorgaben verschärfte, setzen die aktuellen Änderungen auf Entlastung für die Wirtschaft. Der Schritt der Kommission zeigt die Bereitschaft, die Politik angesichts wirtschaftlicher Herausforderungen anzupassen.
Die offiziellen Vorschläge der Kommission werden am Mittwoch präsentiert. Bei Annahme würden sie die kostenlose Zuteilung von CO₂-Zertifikaten verlängern und die Marktstabilitätsreserve so anpassen, dass chemische Hersteller unterstützt werden. Die Reformen spiegeln einen Kurswechsel wider: Regulatorische Lasten sollen gemildert werden, ohne die Klimaziele aus den Augen zu verlieren.






