EU-Saatgutverordnung bedroht seltene Sorten und Kleinproduzenten
Ein geplanter EU-Saatgutverordnung hat bei Kleinproduzenten und Hobbygärtnern Besorgnis ausgelöst. Das neue Gesetz, das derzeit verhandelt wird, könnte strenge Zertifizierungsvorschriften und hohe Gebühren einführen. Kritiker warnen, dass dadurch seltene Sorten vom Markt verschwinden und die Existenzgrundlage von Nischenanbietern bedroht werden könnte.
Die Verhandlungen über die Verordnung begannen im Februar 2026 und umfassen die Europäische Kommission, das Parlament sowie den Rat der Agrarminister. Während das Parlament Ausnahmen für Kleinproduzenten fordert, setzt sich der Rat für einen restriktiven Ansatz mit strengen Kontrollen ein.
Nach den geplanten Regeln könnten Unternehmen Zertifizierungskosten von bis zu 1.000 Euro pro Sorte tragen müssen. Viele Ein-Personen-Betriebe, wie sie etwa auf dem Düsseldorfer Saatgutfestival vertreten sind, fürchten den finanziellen Ruin, falls das Gesetz verabschiedet wird. Selbstversorger wie Anne Mommertz warnen, dass die biologische Vielfalt leiden werde und unzählige Sorten vom Aussterben bedroht seien.
Saatgutbibliotheken in Köln und Neuss arbeiten bereits daran, seltene Sorten durch kostenlose Leihsysteme zu erhalten. Die Nachfrage nach bestimmten Sorten bleibt hoch, doch ohne Nischenanbieter könnten Hobbygärtner bald nur noch auf standardisierte Saatgut von großen Industrieunternehmen angewiesen sein.
Das Ergebnis der Verhandlungen steht noch aus. Sollte das Gesetz in Kraft treten, könnte es den europäischen Saatgutmarkt grundlegend verändern und den Zugang zu traditionellen und seltenen Sorten einschränken. Kleinproduzenten und Naturschützer warten nun darauf, ob Ausnahmen die Auswirkungen abmildern werden.