Grüner Stahl vs. Restrukturierung: Warum Salzgitter Thyssenkrupp überflügelt
Leon KrausGrüner Stahl vs. Restrukturierung: Warum Salzgitter Thyssenkrupp überflügelt
Zwei der größten Stahlproduzenten Deutschlands schlagen völlig unterschiedliche Wege ein. Thyssenkrupp baut sein Imperium ab, indem es nicht zum Kerngeschäft gehörende Vermögenswerte veräußert, während Salzgitter massiv auf die Produktion von grünem Stahl setzt. Die gegensätzlichen Strategien haben zu unterschiedlichen Börsenentwicklungen für beide Unternehmen geführt.
Der weitverzweigte Mischkonzern Thyssenkrupp, der in den Bereichen U-Boote, Autoteile und Stahlhandel aktiv ist, trennt sich seit einiger Zeit von Beteiligungen, um sich auf profitablere Geschäftsbereiche zu konzentrieren. Der jüngste Verkauf des HKM-Stahlwerks an Salzgitter hat zwar einige Marktunsicherheiten abgebaut, doch die Investoren sind noch nicht vollständig überzeugt. Die Aktie des Unternehmens bleibt volatil, Analysten prognostizieren einen Nettoverlust im hohen dreistelligen Millionenbereich. Dennoch stieg die Marktkapitalisierung von 7,00 Milliarden Euro Anfang Februar 2026 auf 7,20 Milliarden Euro nur wenige Tage später – obwohl der Kurs im Februar 2025 mit 3,34 Euro ein 52-Wochen-Tief erreicht hatte. Auch der Weg zur klimaneutralen Produktion bis 2045 gestaltet sich holprig: Finanzierungs- und Umstrukturierungshürden bremsen die Fortschritte aus.
Salzgitter hingegen verfolgt einen klaren Kurs. Unter Führung von Vorstandsvorsitzendem Gunnar Groebler treibt das Unternehmen sein SALCOS-Projekt voran, eines der fortschrittlichsten Dekarbonisierungsprogramme für Stahl in Europa. Die Anlagen sind bereits im Bau, die Prozesse definiert – das gibt den Investoren Sicherheit. Die Übernahme von HKM stärkt zudem die Lieferkette, und die Aktie notiert inzwischen nahe ihrem Allzeithoch. Zwar verfügt Thyssenkrupp über einen technologischen Vorsprung durch seine Tochter Nucera, die auf die Elektrolyse von grünem Wasserstoff spezialisiert ist, doch bei der Umsetzung hinkt das Unternehmen dem fokussierten Ansatz von Salzgitter hinterher.
Beide Konzerne stehen nun vor unterschiedlichen Herausforderungen. Salzgitters Investoren setzen auf den Erfolg der CO₂-armen Stahlproduktion, während Thyssenkrupps Geldgeber abwarten, ob sich Restrukturierung und Technologieoffensive auszahlen werden. Der Markt belohnt derzeit Salzgitters klare Strategie – Thyssenkrupp muss noch überzeugen.
