13 March 2026, 00:07

HKM in Duisburg kämpft um Überleben: 2.000 Jobs und grüner Stahl auf dem Spiel

Eine Schwarz-Weiß-Zeichnung einer belebten Stahlmühle aus den 1910er Jahren, voller Menschen, Pfähle und diverser industrieller Gegenstände, mit dem Text "1910er Jahre Stahlmühle" unten.

HKM in Duisburg kämpft um Überleben: 2.000 Jobs und grüner Stahl auf dem Spiel

Die Zukunft der Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) in Duisburg steht auf dem Spiel, während das traditionsreiche Stahlwerk eine tiefgreifende Umstrukturierung durchläuft. Noch vor wenigen Jahrzehnten der größte Arbeitgeber im Süden Duisburgs, sieht sich das 116 Jahre alte Werk nun mit Stellenabbau, Restrukturierung und dem Wandel zu umweltfreundlicheren Produktionsmethoden konfrontiert. Die Veränderungen erfolgen, während Thyssenkrupp und die Salzgitter AG eine Vereinbarung finalisieren, um das kämpfende Werk am Laufen zu halten – allerdings mit deutlich weniger Beschäftigten und modernisierter Technik.

HKM, das derzeit jährlich über vier Millionen Tonnen Stahl produziert, setzt seit Jahrzehnten auf veraltete Hochöfen. Da technologische Aufrüstungen in den letzten Jahren nur begrenzt erfolgten, steht das Werk nun an einem Scheideweg. Das gescheiterte Wasserstoff-Projekt von Thyssenkrupp und der laufende Bau einer Direktreduktionsanlage (DRI) deuten auf einen Kurswechsel hin: Die Stahlproduktion soll nachhaltiger werden, doch wie dieser Übergang gelingt, bleibt ungewiss.

Laut der neuen Vereinbarung übernimmt Salzgitter bis zum 1. Juni 2026 die volle Kontrolle über HKM und investiert 200 Millionen Euro in einen Lichtbogenofen, um die Produktion zu modernisieren. Zudem wird der Liefervertrag mit HKM um drei Jahre verkürzt, was die Umstellung beschleunigt. Bisher liegt die Eigentümerschaft bei Thyssenkrupp (50 %), der Salzgitter Mannesmann GmbH (30 %) und Vallourec (20 %), doch das Werk verliert seine eigenständige Betriebsfähigkeit.

Die Umstrukturierung trifft die Belegschaft hart: Bis zu 2.000 Arbeitsplätze bei HKM – und insgesamt 11.000 bei Thyssenkrupp – könnten in den kommenden Jahren wegfallen. Als Reaktion haben Mitarbeiter Proteste organisiert und mit Streiks gedroht. Sie fordern ein Sozialplan-Abkommen, um die wirtschaftlichen Folgen abzufedern. Politiker aller Parteien in Duisburg zeigen sich solidarisiert und unterstützen die Belegschaft im Kampf um die Zukunft des Stahlstandorts.

Branchenkenner sehen in den Schwierigkeiten von HKM einen Lackmustest für die gesamte Stahlindustrie. Scheitert die Anpassung, könnte dies ein alarmierendes Vorbild für andere Werke sein, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen: Dekarbonisierung bei gleichzeitiger Wettbewerbsfähigkeit.

Der Deal zwischen Thyssenkrupp und Salzgitter sichert zwar den Fortbestand von HKM – allerdings mit weniger Personal und einem stärkeren Fokus auf "grünen Stahl". Die 200-Millionen-Investition in den Lichtbogenofen ist ein Schritt in Richtung Modernisierung, doch die langfristige Kapazität des Werks bleibt unklar. Im Moment steht vor allem eines im Mittelpunkt: den Arbeitsplatzabbau sozialverträglich zu gestalten und die Zukunft eines der ältesten Stahlwerke Deutschlands zu sichern.

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