12 March 2026, 08:07

Jessica Krebbing bricht als erste Chefin eines Milchviehbetriebs mit Traditionen

Ein Schwarz-Weiß-Foto einer Gruppe von Frauen verschiedenen Alters und unterschiedlicher Ethnien, mit einer sitzenden Frau in der Mitte und dem Text 'Die Frauenwahlrechtsbewegung' unten.

Jessica Krebbing bricht als erste Chefin eines Milchviehbetriebs mit Traditionen

Jessica Krebbing hat als erste Frau die Leitung des Familien-Milchviehbetriebs in Hamminkeln, Nordrhein-Westfalen, übernommen. Die 26-Jährige verantwortet auf dem Overdickshof nun 200 Milchkühe, 100 Kälber sowie Jungrinder. Ihre Position markiert einen Wandel in einer Branche, in der weibliche Führungskräfte noch immer eine Seltenheit sind – nur jede neunte Farm in der Region wird von einer Frau geleitet.

Zu Krebbings täglichen Aufgaben gehören das Füttern, Melken und Besamen der Kühe, das Einstreuen der Ställe sowie das Abdecken der Silos. Anders als frühere Generationen profitiert sie von modernen Hilfsmitteln wie automatischen Melkrobotern. Diese Technologien haben körperlich anstrengende Arbeiten erleichtert, die Abhängigkeit von traditioneller "Männerarbeit" verringert und Frauen in der Landwirtschaft neue Chancen eröffnet.

Ihre Mutter, Christa Krebbing, arbeitete jahrzehntelang auf demselben Hof, fühlte sich aber oft übergangen und unterbewertet. Ihre Erfahrungen spiegeln die Herausforderungen wider, mit denen Frauen in der Landwirtschaft weltweit konfrontiert sind. Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) stellen Frauen 36 Prozent der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte. Dennoch stemmen sie häufig höhere Arbeitsbelastungen, Haushaltsaufgaben und haben eingeschränkten Zugang zu Bildung oder Netzwerken.

In der nahegelegenen Stadt Mülheim an der Ruhr prägen Anne Unterhansberg und Lea Im Brahm maßgeblich den Hofladen mit Direktvermarktung auf dem Buchholzhof ihrer Familie. Ihr Engagement zeigt, wie Frauen Innovation und Vermarktung in der Landwirtschaft vorantreiben. Zwar gibt es keine aktuellen Studien zu den spezifischen Schwierigkeiten von Bäuerinnen in Nordrhein-Westfalen, doch das Land bietet gezielte Vernetzungs- und Beratungsangebote, um Frauen in der Branche zu unterstützen.

Trotz Fortschritten halten sich tief verwurzelte patriarchale Strukturen. Frauen auf Höfen übernehmen oft unsichtbare Verantwortung, während sie gleichzeitig Veränderung vorantreiben. Krebbings Führung auf dem Overdickshof steht für einen langsamen, aber bedeutenden Wandel in der Branche.

Ihre Position als Betriebsleiterin bricht in einem traditionell männlich dominierten Bereich neues Terrain. Da Technologie physische Barrieren abbaut, könnten mehr Frauen ihrem Beispiel folgen. Die Förderprogramme des Landes zielen darauf ab, ihre Rolle weiter zu stärken – doch Herausforderungen wie ungleiche Arbeitsverteilung und mangelnde Anerkennung bleiben bestehen.

Quelle