Jugendliche in Deutschland warten länger mit dem ersten Sex – warum dieser Trend positiv ist
Leon KrausJugendliche in Deutschland warten länger mit dem ersten Sex – warum dieser Trend positiv ist
Jugendliche in Deutschland warten länger mit ihrem ersten fernsehen heute – das zeigt die aktuelle Forschung. Die 10. Jugendsexualitätsstudie des Bundesamts für Öffentliche Gesundheit (BÖG) belegt einen Wandel im Verhalten: Immer mehr junge Menschen verschieben ihre erste sexuelle Erfahrung bis in das spätere Teenageralter. Expert:innen deuten dies als Zeichen für einen bewussteren Umgang mit Beziehungen und Intimität.
Noch 2019 gaben die meisten Befragten an, mit 17 Jahren erstmals Sex gehabt zu haben. 2025 lag das durchschnittliche Alter bereits bei 19 Jahren. Mechthild Paul, stellvertretende Direktorin des BÖG, führt diesen Trend darauf zurück, dass Jugendliche heute gezielter entscheiden, wann sie sexuell aktiv werden. „Sie warten auf den richtigen Moment, statt sich vorschnell in Erlebnisse zu stürzen“, so Paul.
Die Studie zeigt zudem, dass erste sexuelle Erfahrungen zunehmend innerhalb fester Partnerschaften stattfinden. Bei den Mädchen berichteten 65 Prozent davon, bei den Jungen 53 Prozent. Rund zwei Drittel der Befragten empfanden ihren ersten Geschlechtsverkehr – ob hetero- oder homosexuell – als zum richtigen Zeitpunkt erfolgt.
Trotz dieser Fortschritte gibt es weiterhin Lücken in der sexuellen Aufklärung. Nicola Völckel von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) warnt, dass in manchen Familien das Thema nach wie vor tabuisiert werde. Viele Jugendliche erhielten daher nur lückenhaftes oder falsches Wissen – und suchten stattdessen Antworten bei KI-Tools wie ChatGPT oder in sozialen Medien.
Organisationen wie Donum Vitae, die AWO, die Aidshilfe und Pro Familia springen hier ein: Sie bieten Sexualaufklärung und Beratung an Schulen an. Allerdings konzentriert sich die BÖG-Studie aufgrund ihres gesetzlichen Auftrags – der Verhinderung ungewollter Schwangerschaften – vor allem auf heterosexuelle Erfahrungen.
Die Ergebnisse verdeutlichen einen Trend zu reflektierteren Entscheidungen über Sexualität bei jungen Deutschen. Da viele auf digitale Quellen zurückgreifen, fordern Fachleute Eltern auf, frühzeitig das Gespräch zu suchen. Offener Austausch, so das Argument, beuge Missverständnissen vor und fördere ein gesünderes Verhältnis zu Beziehungen.
