Karneval 2025: Satire, Tradition und ein brisanter Gerichtsprozess
Marie KrügerFeierwütige, zieht warm an! Bei Rosenmontag regnet es nicht nur Süßes - Karneval 2025: Satire, Tradition und ein brisanter Gerichtsprozess
Die Karnevalssaison ist zurück – mit bunten Umzügen, satirischen Wagen und einem langjährigen Rechtsstreit, der erneut in den Fokus rückt. Beim diesjährigen Rosenmontagszug in Düsseldorf werden wieder die provokanten Kreationen von Jacques Tilly zu sehen sein, dessen Arbeit ihn sogar vor ein russisches Gericht gebracht hat. Unterdessen blickt eine Autorin auf ihr ambivalentes Verhältnis zur Tradition zurück, nachdem sie in einer Karnevalshochburg aufgewachsen ist.
Die Schriftstellerin verbrachte ihre Kindheit im Münsterland, einer Region mit zahlreichen kleinen Karnevalsbastionen. Sie erinnert sich daran, wie sie durch die Straßen jagte, um Kamelle zu sammeln, und wie sie lokale Grußformeln wie "Festo" und "DeUnDa" austauschte. Doch nach Jahren voller Büttenabende und Rosenmontagszüge verblasste die Begeisterung.
Mittlerweile in Norddeutschland lebend, vermisst sie gelegentlich das lebhafte Chaos. Wer dem Karneval noch skeptisch gegenübersteht, dem empfiehlt sie den Artikel von Jannik Schüller – eine Liebeserklärung an das Fest, die selbst Zweifler überzeugen könnte.
Der diesjährige Düsseldorfer Umzug wird wieder Tillys markante, freche Entwürfe präsentieren. Doch seine Satire hat einen Preis: Ein russisches Gericht verklagt ihn wegen angeblicher Verleumdung Putins und der Armee durch seine Karnevalsfiguren. Der Prozess, mehrfach verschoben, soll nun am 26. Februar stattfinden. Tilly drohen bis zu zehn Jahre Haft, doch er hält sich in Deutschland auf und wurde offiziell noch nicht vorgeladen. Eine Auswahl seiner früheren Werke ist online einsehbar.
Die Wettervorhersage sagt für den Rosenmontag eine Mischung aus Schnee und Regen voraus – eine weitere Facette der diesjährigen Feierlichkeiten.
Trotz des laufenden Rechtsstreits wird der Umzug mit Tillys Wagen stattfinden. Für viele bleibt der Karneval eine Zeit der Satire, der Tradition und des Gemeinschaftsgefühls – auch wenn die Kritik daran wächst. Die Zukunft des Festes bleibt, wie das Wetter, unberechenbar.
