Karneval in Rottenburg: Warum Schweineblasen als Saublodere für Stimmung sorgen
Leon KrausStinkend und laut - der seltsame Brauch mit Schweinsblasen - Karneval in Rottenburg: Warum Schweineblasen als Saublodere für Stimmung sorgen
Jedes Jahr zur Karnevalszeit in Rottenburg, Baden-Württemberg, stehen Schweineblasen im Mittelpunkt – als laute Tradition. Vor Ort als Saublodere bekannt, erzeugen die aufgeblasenen Blasen beim Aufschlagen auf den Boden ein scharfes Knallen, das Zuschauer erschreckt und die Feierstimmung verstärkt. Doch hinter dem Spektakel steckt sorgfältige Vorbereitung – und ein allmählicher Wandel hin zu neuen Materialien.
Die Narrenzünfte sammeln die Blasen jährlich bei Metzgern. Nur die robustesten Exemplare werden ausgewählt, entleert, in Lake eingelegt, gewaschen und schließlich geprüft. Sobald sie einsatzbereit sind, werden sie mit Druckluft aufgeblasen und an einen Hagenschwanz gebunden – ein Stiergenital oder eine Kuhschwanzquaste, ebenfalls vom Metzger geliefert.
Der Saublodere dient dabei sowohl als Lärminstrument als auch als spielerisches Symbol für Eitelkeit und Übermut. Doch seine Lebensdauer ist kurz: Nach wenigen Umzügen muss er bereits ersetzt werden.
In letzter Zeit steigen einige Zünfte auf Kuhblasen um. Größer und langlebiger als Schweineblasen gewinnen sie besonders im Oberrheingebiet – etwa in Rottweil oder Offenburg – an Beliebtheit. Offizielle Aufzeichnungen, wie viele Zünfte den Wechsel bereits vollzogen haben, gibt es jedoch nicht. Die Entwicklung dieser Tradition bleibt damit largely undokumentiert.
Trotzdem bleibt der Saublodere ein lauter und lebendiger Bestandteil der Karnevalsfeiern. Während Schweineblasen nach wie vor verbreitet sind, halten Kuhblasen in manchen Regionen langsam Einzug. Die Wahl hängt von Haltbarkeit, Größe und den eigenen Gepflogenheiten der Zunft ab.
