23 April 2026, 14:16

"Kein Körper passt": Wie Kim de l'Horizons Roman die Bühne erobert

Altes Buch mit dem Titel "Leben und Prüfung der Möchtegern-Damen" mit drei Frauen verschiedenen Alters und Ethnien auf dem Cover.

"Kein Körper passt": Wie Kim de l'Horizons Roman die Bühne erobert

Die Bühnenadaption von Kein Körper passt, dem preisgekrönten Debütroman von Kim de l'Horizon, feierte vor ausverkauftem Haus Premiere in Berlins Vaganten Bühne in Charlottenburg. Unter der Regie von Max Radestock und Daniela Guse verwandelt das Stück die schonungslose Auseinandersetzung des Buches mit Identität und Trauma in ein packendes Theatererlebnis.

Die Handlung folgt Kim, einer Erzählerin, die von drei Schauspieler:innen verkörpert wird – Julian Trostorf, Annemie Twardawa und Emma Zeisberger. Gemeinsam setzen sie sich mit der Demenz ihrer Großmutter auseinander und verfolgen die mütterliche Blutlinie ihrer Familie bis ins 14. Jahrhundert zurück. Die Reise durch das generationenübergreifende Trauma beginnt in einem Schweizer Vorort, wo Kim nach den eigenen Wurzeln sucht und gleichzeitig mit einer fließenden Identität ringt, die sich binären Normen entzieht.

Der Titel Kein Körper passt spiegelt Kims Kampf wider, das wandelbare Selbstbild mit gesellschaftlichen Erwartungen in Einklang zu bringen. Auf der Bühne wird diese Spannung durch zerschlissene, beige Strumpfhosen symbolisiert, die von der Decke hängen, mit Sand und Bällen gefüllt sind und wie ungelöste Lasten hin- und herschwingen. In einer Szene nehmen die drei Schauspieler:innen an einer Modenschau teil, jede:r in einem zarten, weißen Spitzenkleid – eine visuelle Metapher für die Zerbrechlichkeit und Vielschichtigkeit von Identität.

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Kims Mission ist klar: das Schweigen über Scham brechen und Selbstakzeptanz in einem genderfluiden Körper zurückerobern. Die Inszenierung baut auf dem Erfolg des Romans auf, für den de l'Horizon 2022 sowohl den Deutschen als auch den Schweizer Buchpreis erhielt.

Die Premiere markiert einen mutigen Schritt, de l'Horizons zutiefst persönliche Erzählung einem Live-Publikum näherzubringen. Durch Bewegung, Symbolik und gemeinsames Storytelling stellt das Stück starre Identitätsdefinitionen infrage und würdigt zugleich die Komplexität vererbter Traumata. Die ausverkauften Vorstellungen deuten auf eine starke Resonanz bei Zuschauer:innen hin, die nach Geschichten jenseits einfacher Kategorisierungen suchen.

Quelle