29 June 2026, 18:16

Klagenfurt feiert provokante Literatur und starke Frauenstimmen bei den 50. Tagen der deutschsprachigen Literatur

In Frontal Opposition zu Allem

Klagenfurt feiert provokante Literatur und starke Frauenstimmen bei den 50. Tagen der deutschsprachigen Literatur

Die 50. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt enden mit prämierten Autor:innen und provokanten Aussagen

Die diesjährigen Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt gingen mit bemerkenswerten Preisträger:innen und mutigen Statements zu Ende. Die Veranstaltung stand in diesem Jahr im Zeichen hitziger Debatten, literarischer Auszeichnungen und eines starken Fokus auf wirtschaftliche und soziale Themen. Die ausschließlich aus Frauen bestehende Jury prägte dabei maßgeblich den Verlauf des Festivals.

Slata Roschal präsentierte eine Lesung, die das Thema Prekariat nur am Rande streifte, stattdessen aber scharfe Kritik an der Literaturszene selbst übte. Sie verkündete ihren sofortigen Abgang von der Bühne und verweigerte jeden Austausch mit der Jury – enttäuscht, wie sie sagte, von den etablierten Strukturen der Branche.

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Den KELAG-Preis erhielt Kinga Tóth für ihren sprachlichen Witz und ihre polyphone Erzählweise. Ihr Text schilderte die Kämpfe und alltäglichen Demütigungen eines „Ostblock-Mädchens“. Ozan Zakariya Keskinkılıç wurde mit dem Deutschlandfunk-Preis für seine bewegende Erzählung „Vater ohne Sohn“ ausgezeichnet, die den Konflikt eines schwulen Vaters zwischen Kind und Geliebten thematisiert.

Schaette gewann sowohl den mit 30.000 Euro dotierten Hauptpreis als auch den Publikumspreis für ihren Text „Was wir tragen“, der sich mit lebenslanger Gewalt und Bewältigungsstrategien von Menschen mit Adipositas auseinandersetzt. Parallel dazu eröffnete Ingeborg Bachmanns Hörspiel „Der gute Gott von Manhattan“ mit einer eindrucksvollen Szene: Gottvater sitzt an einem glühend heißen Sommertag auf der Anklagebank.

Ein wiederkehrendes Motiv in vielen Texten war der Fleck – Symbol für blinde Flecken und drohende Gefahren, oft verbunden mit prekären Lebensumständen. Die Jury betonte zudem den allgegenwärtigen Einfluss ökonomischer Themen auf das Festivalgeschehen.

Die diesjährige Ausgabe brachte scharfsinnige Kritiken, kraftvolle Erzählungen und bedeutende Auszeichnungen hervor. Die prämierten Texte setzten sich mit persönlichen und gesellschaftlichen Konflikten auf tiefgründige und originelle Weise auseinander. Der wirtschaftliche Fokus der Jury unterstrich dabei die größeren Fragen, die die Gegenwartsliteratur prägen.

Quelle