26 April 2026, 12:10

Kölner Archiv-Einsturz: Nach 15 Jahren beginnt der Neuanfang über den Trümmern der Geschichte

Schwarz-weiß-Foto einer Stadt nach einer Katastrophe am 5. Juni 1892, das Gebäude, Masten, Rauch und einen Hügel im Hintergrund zeigt.

Kölner Archiv-Einsturz: Nach 15 Jahren beginnt der Neuanfang über den Trümmern der Geschichte

Ein klaffendes Baustellenloch narbt noch immer die Kölner Innenstadt – mehr als ein Jahrzehnt nach einem verheerenden Einsturz. Die Katastrophe von 2009 zerstörte das historische Stadtarchiv und forderte zwei Menschenleben. Nun haben endlich neue Arbeiten begonnen, um das seit Jahren ruhende U-Bahn-Projekt darunter wiederaufzunehmen.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Am 3. März 2009 brach während der Bauarbeiten für die Nord-Süd-U-Bahn-Linie der Boden ein. Innerhalb von nur acht Minuten stürzte ein siebenstöckiges Gebäude, in dem 1,7 Millionen historische Dokumente lagerten – Zeugnisse aus 1.000 Jahren Kölner Geschichte – in den entstehenden Krater. Zwei junge Männer in benachbarten Häusern kamen ums Leben, als der Erdboden ihre Wohnungen verschlang.

Monatelang durchsuchten Rettungskräfte Schutt und zerrissene Papiere. Fragmente der Akten wurden in 20 Notarchiven in ganz Deutschland gesichert. Experten schätzen, dass die Restaurierung bis 2050 andauern wird – etwa ein Drittel der Dokumente gilt als für immer verloren.

Jahre lang blieb die Stelle wie eingefroren: eine halb gefüllte Grube aus Provisoriumsbeton, überwuchert von Unkraut. Juristische Auseinandersetzungen zogen sich bis 2024 hin, als Gerichte einige Verantwortliche zu Geldstrafen verurteilten. Andere wurden freigesprochen, da ihre Beteiligung als zu indirekt galt, um ihnen eine Schuld zuzuweisen.

Nun sind Bagger und Lkw zurück auf dem Gelände. Arbeiter entfernen den alten Beton, um den Tunnelbau wiederaufzunehmen. Die aktuelle Phase soll acht weitere Jahre dauern – eine ironische Entsprechung zu den acht Minuten, die die ursprüngliche Katastrophe benötigte.

Irgendwann wird die U-Bahn-Linie unter jenem Ort verlaufen, an dem Kölns Geschichte begraben wurde. Überlebende und Archivare stehen noch vor Jahrzehnten mühevoller Bergungsarbeit. Doch die Stadt bewegt sich vorwärts – einen langsamen Spatenstich nach dem anderen.

Quelle