Mainzer Fastnacht feiert Premiere: Erste Frau führt das Protokoll
Elias KellerFrauen-Debüt bei "Mainz bleibt Mainz" - Mainzer Fastnacht feiert Premiere: Erste Frau führt das Protokoll
Zum ersten Mal seit fast 200 Jahren hat die Mainzer Fastnachtsitzung "Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht" eine Frau zur Chefprotokollantin ernannt. Christina Grom schrieb bei der 71. Ausgabe des "Meenzer Fassenacht" Geschichte – einer Karnevalssitzung, die für ihre scharfe Satire und tief verwurzelten Traditionen bekannt ist. Die Veranstaltung begrüßte nicht nur vertraute Gesichter zurück auf der Bühne, sondern nahm wie gewohnt mit spitzer Zunge politische Persönlichkeiten aufs Korn.
Die Revue 2026 blieb ihren Wurzeln treu, brachte aber auch frische Akzente ein. Andreas Schmitt kehrte als Moderator zurück, nachdem er die Session 2025 aus gesundheitlichen Gründen hatte auslassen müssen. Wie schon so oft beendete er die Show in seiner markanten Rolle als "Hoher Altardiener" des Mainzer Doms – eine Hommage an das religiöse Erbe der Stadt.
Grom, die erste Frau in dieser Funktion, brachte eigenen Humor auf die Bühne. Sie scherzte über die Wiedereinführung der Wehrpflicht und schlug vor, die Dienstverpflichtung per Losverfahren zu regeln. Auch den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump nahm sie spielerisch aufs Korn: Der Himmel solle doch die Gutenberg-Bibel nutzen, um "seinen aufgeblasenen Kopf wieder auf Normalmaß zu bringen".
Die Satire der Revue richtete sich gegen prominente Persönlichkeiten wie Bundeskanzler Friedrich Merz und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Schmitt spann gar den Gedanken weiter und wünschte einem fiktiven Papst Leo XIV. alles Gute – mit dem Augenzwinkern, dass vielleicht eines Tages eine "Papstin Ulrike" die Welt segnen werde.
Jürgen Wiesmann feierte unterdessen sein 25. Bühnenjubiläum als "Ernst Lustig", eine langjährige Karnevalsfigur, die beim Publikum seit Jahrzehnten Kultstatus genießt. Seine Rückkehr verlieh der Veranstaltung, die Tradition und modernen Humor vereint, zusätzliche Kontinuität.
Die 71. Ausgabe von "Mainz bleibt Mainz" markierte mit Grom an der Spitze des Protokolls einen Meilenstein. Die Sitzung verband bewährte Bräuche mit zeitgenössischer Satire und festigte so ihren Platz als kulturelles Highlight. Wie immer sorgte die Show für Lacher – ohne dabei ihre scharfe gesellschafts- und politikritische Note zu verlieren.
