Neue Doku zeigt Guido Westerwelles bewegendes Leben zehn Jahre nach seinem Tod
Leon Kraus"Westerwelle" - Ein Film gegen das Vergessen - Neue Doku zeigt Guido Westerwelles bewegendes Leben zehn Jahre nach seinem Tod
Zehn Jahre nach seinem Tod: Neue Doku blickt auf das Leben Guido Westerwelles zurück
Zehn Jahre nach dem Tod des ehemaligen Außenministers Guido Westerwelle wirft eine neue Dokumentation ein Licht auf sein Leben. Der unter dem Titel "Westerwelle" erschienene Film wird in der ARD ausgestrahlt und markiert ein Jahrzehnt, seit der FDP-Vorsitzende seinen Kampf gegen den Krebs verlor. Die Produktion bietet persönliche Einblicke von Weggefährten, darunter sein Ehemann und politische Zeitgenossen.
In diesem Jahr wäre Westerwelle 64 Jahre alt geworden – ein Alter, in dem viele Politiker noch hohe Ämter bekleiden. Doch seine Partei, die FDP, ringt seit seiner Regierungszeit um Einfluss.
Die Dokumentation enthält Interviews mit vielen ehemaligen FDP-Kollegen Westerwelles. Zudem sind bisher unveröffentlichte Tonaufnahmen aus dem Jahr 2014 zu hören, die private Gespräche zwischen dem verstorbenen Politiker und dem Journalisten Dominik Wichmann festhielten. Sein Ehemann, Michael Mronz, teilt persönliche Erinnerungen an ihr gemeinsames Leben und Westerwelles letzte Monate.
Trotz der Verfügbarkeit ehemaliger Diplomaten und Außenminister untersucht der Film nicht Westerwelles außenpolitisches Erbe. Auch darauf, wie er die aktuellen Schwierigkeiten der FDP oder die heutige politische Landschaft bewertet hätte, geht die Doku nicht ein. Kaum kommen Stimmen von außerhalb der FDP zu Wort – Beiträge seiner früheren Koalitionspartner von CDU und CSU fehlen gänzlich.
Westerwelle führte die FDP in einer turbulenten Phase und amtierte von 2009 bis 2013 als Außenminister. Unter seiner Führung erlitt die Partei bei der Bundestagswahl 2013 eine herbe Niederlage und verlor sämtliche Mandate. Später erholte sich die FDP, erreichte 2021 mit 11,5 Prozent den Einzug in die Bundesregierung als Teil einer Koalition. Doch jüngste Rückschläge – wie das Scheitern beim Wiedereinzug in den Landtag von Baden-Württemberg 2026 nach 70 Jahren Präsenz – zeigen anhaltende Herausforderungen. Die Mitgliederzahlen sanken dramatisch: von über 168.000 im Jahr 1990 auf 77.000 im Jahr 2021, während die rechtspopulistische AfD in traditionellen FDP-Hochburgen an Boden gewinnt.
Die Dokumentation gewährt einen intimen Einblick in Westerwelles Leben, lässt aber einige Fragen offen. Sie bewertet weder seine politische Wirkung noch die wechselhaften Geschicke der FDP seit seinem Tod. Stattdessen konzentriert sie sich auf persönliche Erinnerungen und Archivmaterial – ein Momentaufnahme eines Mannes, der einst die deutsche Politik prägte.
Westerwelles Fehlen ist bis heute spürbar, sowohl in seiner Partei als auch in der politischen Debatte insgesamt. Der Film dient als Mahnmal seiner Karriere in einer Zeit, in der die FDP weiterhin eine ungewisse Zukunft bewältigen muss.
