Nordrhein-Westfalen drängt auf fünf Gigawatt neue Gaskraftwerke für den Kohleausstieg
Leon KrausNordrhein-Westfalen drängt auf fünf Gigawatt neue Gaskraftwerke für den Kohleausstieg
Deutschland treibt den Bau moderner, flexibler Gaskraftwerke als Teil der Energiewende voran. Die Bundesregierung hat sich mit der EU auf zentrale Punkte geeinigt und plant, bundesweit eine geförderte Kapazität von 12 Gigawatt zu verteilen. Nordrhein-Westfalen drängt dabei auf einen erheblichen Anteil von fünf Gigawatt, um damit die Stilllegung seiner Kohlekraftwerke auszugleichen.
Eines der führenden Projekte entsteht in Bergkamen, wo Steag-Iqony den Bau eines neuen Gaskraftwerks neben dem bestehenden Kohlekraftwerk vorbereitet. Die Lage des Standorts im "netztechnischen Süden" erhöht die Chancen im anstehenden Ausschreibungsverfahren.
Die Kraftwerksstrategie der Bundesregierung sieht einen "Süd-Bonus" vor, der Projekte in den südlichen und westlichen Regionen begünstigt. Damit soll die Energieverteilung im Land ausgeglichener gestaltet werden. Die Ausschreibungen für die 12 Gigawatt Kapazität sollen im Sommer 2026 beginnen, wobei die genauen Bewertungskriterien – etwa die 10-Stunden-Betriebsanforderung und die Technologieoffenheit – noch finalisiert werden.
In Bergkamen hat Steag-Iqony bereits Fortschritte bei der Planung des Gaskraftwerks gemacht: Gespräche mit den lokalen Behörden laufen, Umweltverträglichkeitsprüfungen sind eingeleitet, und zentrale Komponenten wurden bereits reserviert. Werksleiter Thorsten Koch unterstützt den Ausstieg aus der Kohle, auch wenn das bestehende Kohlekraftwerk derzeit als Reserveanlage in Volllast läuft. Das neue Kraftwerk soll zunächst mit Erdgas betrieben werden, später aber auf "grünen" Wasserstoff umstellbar sein.
Auch andere Unternehmen wie RWE, Uniper und der kommunale Energieversorger Trianel entwickeln Kraftwerksprojekte in Nordrhein-Westfalen. Steag-Iqony wartet jedoch noch auf die Veröffentlichung der genauen Vergabekriterien durch die Bundesregierung, bevor das Unternehmen sein Angebot einreicht.
Das Projekt in Bergkamen könnte eine Schlüsselrolle beim Ersatz von Kohlekraftwerken spielen und gleichzeitig die Energiewende in Deutschland unterstützen. Wird das neue Gaskraftwerk ausgewählt, würde es zur Netzstabilität beitragen und den späteren Einsatz von Wasserstoff ermöglichen. Das Ausschreibungsverfahren der Bundesregierung wird entscheiden, welche Projekte realisiert werden – erste Entscheidungen werden nach dem Sommer 2026 erwartet.
