13 March 2026, 14:08

Paderborns Kirche räumt jahrzehntelanges Versagen bei Missbrauch ein

Ein Buch mit Bildern und Texten, das die Geschichte der katholischen Kirche dokumentiert, einschließlich Bildern von ihren Räumen, Fluren und konservierten Artefakten.

Bischof von Paderborn Bentz bittet um Vergebung nach Missbrauchsstudie - Paderborns Kirche räumt jahrzehntelanges Versagen bei Missbrauch ein

Das Erzbistum Paderborn steht nach einer Studie, die 489 Fälle sexuellen Missbrauchs zwischen 1941 und 2002 aufdeckte, erneut in der Kritik. Bischof Udo Markus Bentz bezeichnete die Ergebnisse als Beleg für ein institutionelles Versagen und bat die Opfer öffentlich um Vergebung. Der Bericht belebt zudem Vorwürfe gegen den verstorbenen Kardinal Johannes Joachim Degenhardt neu, die 2023 noch als unglaubwürdig eingestuft worden waren.

Der Missbrauchsskandal in der deutschen katholischen Kirche war erstmals 2010 ans Licht gekommen und hatte landesweit die Bistümer dazu veranlasst, historische Fälle zu untersuchen. In Paderborn identifizierte eine aktuelle Studie 210 beschuldigte Täter im Zusammenhang mit 489 Missbrauchsvorfällen über sechs Jahrzehnte hinweg. Seit dem Bericht von 2023 wurden bis Anfang 2026 zwölf weitere Fälle bestätigt oder befinden sich noch in Prüfung.

Die Entschuldigung von Bischof Bentz wurde von Reinhold Harnisch, Sprecher des Opferverbands, begrüßt. Harnisch nannte sie einen notwendigen Schritt zur Wiederherstellung der Würde der Betroffenen, unterstützte aber auch Forderungen, Straßen umzubenennen, die Degenhardt und seinen Vorgänger, Kardinal Lorenz Jaeger, ehren. Beide stehen im Verdacht, Missbrauchsfälle vertuscht zu haben.

Das Erzbistum kündigte an, seine unabhängigen Ermittlungen zu vertiefen, mit besonderem Fokus auf die Rolle Degenhardts. Bisher wurden 93 Millionen Euro an Entschädigungszahlungen an Überlebende geleistet. Der 2023 von der Kanzlei Feigen und Graf erstellte Bericht hatte die Vorwürfe gegen Degenhardt zunächst als unglaubwürdig zurückgewiesen, doch neue Beweise zwingen nun zu einer Neubewertung.

Die Untersuchungen des Erzbistums werden fortgesetzt, wobei die institutionelle Verantwortung stärker in den Mittelpunkt rückt. Die Opfer erhielten bisher 93 Millionen Euro an Entschädigungen, während die Rufe lauter werden, Ehrungen für die beschuldigten Kardinäle zu streichen. Die Erkenntnisse unterstreichen das Ausmaß des Missbrauchs und die anhaltenden Bemühungen, die Folgen aufzuarbeiten.

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