Studie enthüllt: Fast die Hälfte der Jugendlichen erlebt sexualisierte Online-Gewalt
Elias KellerStudie enthüllt: Fast die Hälfte der Jugendlichen erlebt sexualisierte Online-Gewalt
Eine aktuelle Studie zeigt, dass fast die Hälfte der jungen Menschen in Deutschland von sexualisierter Gewalt im Internet betroffen ist. Die Ergebnisse stammen aus der Jugendsexualitätsstudie des Bundesinstituts für öffentliche Gesundheit. Fachleute betonen nun die Dringlichkeit besserer Präventionsmaßnahmen, um das wachsende Problem zu bekämpfen, bevor es langfristige Schäden verursacht.
Im Jahr 2025 gab etwa jedes vierte Kind oder jeder vierte Jugendliche an, Opfer von Cybergrooming geworden zu sein. Bei dieser Form des Missbrauchs nehmen Täter über Chatplattformen Kontakt zu Minderjährigen auf, oft mit dem Ziel der sexuellen Belästigung oder Ausbeutung. Das Problem beschränkt sich jedoch nicht auf Fremde: Viele Übergriffe finden auch in Freundeskreisen oder Klassenchats statt, häufig bedingt durch Naivität.
Yasmina Ramdani leitete ein dreijähriges Pilotprojekt in Thüringen, in dessen Rahmen Präventionsworkshops zu digitaler sexualisierter Gewalt an Schulen durchgeführt wurden. Rund 5.000 Schülerinnen und Schüler nahmen daran teil. Allerdings gibt es keine öffentlichen Daten darüber, wie viele Schulen bundesweit seitdem ähnliche Programme eingeführt haben.
Lehrkräfte fühlen sich bei der Thematik digitaler sexualisierter Gewalt oft überfordert, obwohl sie deren Schwere erkennen. Expertinnen und Experten argumentieren, dass Prävention deutlich kostengünstiger sei als die Bewältigung der langfristigen Folgen solcher Übergriffe. Auch Eltern werden aufgefordert, ihr eigenes Verhalten zu reflektieren und mit ihren Kindern über Grenzen zu sprechen.
Das öffentliche Bewusstsein für digitale Gewalt hat zugenommen, nicht zuletzt durch prominent besetzte Fälle. Die Vorwürfe der Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen lenkten die Aufmerksamkeit auf die digitale Dimension von Gewalt gegen Frauen.
Die Studie unterstreicht das Ausmaß sexualisierter Online-Gewalt unter Jugendlichen. Schulen, Eltern und Politiker stehen vor der anhaltenden Herausforderung, das Problem wirksam anzugehen. Ohne flächendeckende Präventionsbemühungen wird die Zahl der betroffenen Minderjährigen voraussichtlich nicht sinken.






