Urteil gegen Kinderpsychiater Winterhoff: Medikamenten-Skandal vor dem Abschluss
Leon KrausProzess gegen Kinderpsychiater Winterhoff endet - Urteil gegen Kinderpsychiater Winterhoff: Medikamenten-Skandal vor dem Abschluss
Der Prozess gegen den Kinder- und Jugendpsychiater Michael Winterhoff nähert sich nach mehr als einem Jahr Verhandlungsdauer dem Ende. Ihm wird vorgeworfen, minderjährigen Patientinnen und Patienten ohne ausreichende medizinische Begründung starke psychoaktive Medikamente verschrieben zu haben. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten.
Ursprünglich hatte Winterhoff sich wegen 36 Fällen der gefährlichen Körperverletzung zu verantworten. Das Landgericht Bonn trennte die Verfahren jedoch später. In dem aktuellen Prozess werden noch zehn Vorwürfe geprüft.
Dem Psychiater wird zur Last gelegt, Beruhigungsmittel – darunter das Antipsychotikum Pipamperon – an Kinder und Jugendliche verordnet zu haben. Zwar ist Pipamperon für die Behandlung von Schlafstörungen und Unruhezuständen bei unter 18-Jährigen zugelassen, seine Anwendung erfordert jedoch eine sorgfältige medizinische Abwägung. Die Anklage wirft Winterhoff vor, diese Standards nicht eingehalten zu haben.
Winterhoff beteuert seit Prozessbeginn seine Unschuld. Er behauptet, die Verschreibungen seien im Interesse der Patientinnen und Patienten erfolgt und keineswegs routinemäßig vorgenommen worden. Eine Entscheidung des Gerichts steht noch aus; das Urteil wird für den 4. März 2023 erwartet.
Der Prozess begann am 12. Februar 2025, doch bis Juli 2025 wurden keine weiteren Details zu den rechtlichen oder medizinischen Bewertungskriterien bekannt.
Das Urteil wird darüber entscheiden, ob Winterhoff in den verbleibenden Anklagepunkten schuldig gesprochen wird. Bei einer Verurteilung droht ihm eine Haftstrafe von fast vier Jahren. Die Entscheidung könnte zudem die rechtlichen Grenzen für die Verschreibung von Psychopharmaka an Minderjährige präzisieren.
