Viersen kämpft gegen drohende Insolvenz bis 2031 – wie die Stadt ihre Finanzkrise bewältigen will
Lara MeyerViersen kämpft gegen drohende Insolvenz bis 2031 – wie die Stadt ihre Finanzkrise bewältigen will
Viersen steuert auf eine finanzielle Krise zu: Bis 2026 droht ein Haushaltsdefizit von 39 Millionen Euro. Bis mindestens 2029 rechnet die Stadt mit jährlichen Fehlbeträgen – die Gefahr einer Insolvenz bis 2031 wächst. Nun diskutieren Verantwortliche und Wirtschaftsführer, wie sich der Haushalt stabilisieren lässt, ohne die lokale Wettbewerbsfähigkeit weiter zu schwächen.
Hauptursachen für die Haushaltsnot sind stark gestiegene Ausgaben in der Jugendhilfe und die Kreisumlage. Beide Bereiche machen allein rund 60 Prozent der zusätzlichen Belastung aus. Trotz Sparbemühungen steigen die Personalkosten weiter und belasten den Haushalt zusätzlich.
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) warnt vor Steuererhöhungen: Höhere Gewerbesteuern würden Viersens Attraktivität als Wirtschaftsstandort mindern. Der aktuelle Hebesatz von 460 Prozent liegt bereits über dem Bundesdurchschnitt vergleichbarer Städte. Auch die Grundsteuer für gewerbliche Immobilien ist im IHK-Bezirk die zweithöchste – und jüngste Änderungen im Bewertungssystem sorgen für Rechtsunsicherheit.
Ein Haushaltsentwurf für 2027 sieht mögliche Anhebungen der Grundsteuer (Typ B) oder der Gewerbesteuer vor, falls andere Einsparungen scheitern. Die IHK lehnt dies ab und plädiert stattdessen für mehr interkommunale Zusammenarbeit. Gemeinsame Dienstleistungen, gebündelte Beschaffung und erweiterte Gewerbegebiete könnten die Finanzlage entlasten, ohne die Steuerlast zu erhöhen.
Die IHK begrüßt zwar Viersens freiwilligen Konsolidierungskurs, betont aber den Bedarf an weiteren Gewerbeflächen. Nur durch ansiedlungswillige, steuerzahlende Unternehmen lasse sich langfristig die Abhängigkeit von Steuererhöhungen verringern – die sonst Investitionen vertreiben könnten.
Viersen steht nun vor der Herausforderung, Sparmaßnahmen mit wirtschaftlichem Wachstum zu verbinden, um die Insolvenz abzuwenden. Die IHK setzt auf Kooperation und Wirtschaftsförderung statt auf Steuererhöhungen. Ohne Gegensteuer droht der Stadt bis Anfang der 2030er-Jahre eine noch tiefere Finanzkrise.