Willich schließt Kitas: Eltern im Norden fürchten Betreuungsnot trotz sinkender Geburten
Elias KellerWillich schließt Kitas: Eltern im Norden fürchten Betreuungsnot trotz sinkender Geburten
Kinderbetreuung in Willich steht vor tiefgreifenden Veränderungen, da die Stadt auf einen deutlichen Rückgang der Geburtenraten reagiert. In den kommenden Jahren werden mehrere Einrichtungen geschlossen oder verlegt – für manche Eltern, insbesondere im Norden Willichs, bedeutet das Unsicherheit bei der Betreuung ihrer Kinder. Während die Stadt auf sinkende Nachfrage verweist, kritisieren Familien, dass die Umstrukturierungen die Attraktivität der Region für junge Familien mindern.
Die Geburtenzahlen in Willich sind seit 2020 stark zurückgegangen: um 30 Prozent auf nur noch 1,14 Kinder pro Frau – deutlich unter dem Durchschnitt Nordrhein-Westfalens von 1,44. Dadurch sank die Zahl der Kleinkinder von 404 im Jahr 2018 auf voraussichtlich 298 im Jahr 2025, ein Minus von 26 Prozent. Die Folge: Für das Kitajahr 2025/2026 gibt es 354 ungenutzte Betreuungsplätze – ein deutlicher Wandel im Vergleich zu früheren Engpässen.
Die ersten Änderungen betreffen das DRK-Brückenprojekt Schatzkiste, das bis zum 31. Juli 2026 geschlossen wird. Es folgt die Kita Blaues Haus in Schiefbahn, die nach Ablauf der freiwilligen Förderphase bis zum 31. Juli 2027 ihre Türen schließt. Die Kita Alperhof zieht derweil in das generationenübergreifende Zentrum Reinershof um; das alte Gebäude soll abgerissen werden. Die Stadt bestätigt, dass die Einrichtung trotz Umzugs weiterbetrieben wird.
Auch die katholische Kita St. Irmgardis wird zum Ende des Kitajahres 2026/2027 geschlossen. Nach Umbaumaßnahmen soll das Gebäude ab 2027/2028 als städtische Einrichtung unter dem Namen Villa Kunterbunt wiedereröffnen. Stadt und katholischer Träger arbeiten eng an der Übergangsphase.
Für Familien im nördlichen Willich bedeutet die nächstgelegene Alternative, die Kita Reinershof, eine 9-minütige Autofahrt oder 16 Minuten mit dem Bus. Neue Einrichtungen wird es nicht geben – die Stadt begründet dies mit geringer Nachfrage und knappen Haushaltsmitteln. Bis 2029 rechnet Willich mit einem Überschuss von 440 Betreuungsplätzen.
Zwar sollen die Schließungen und Verlegungen der gesunkenen Nachfrage gerecht werden, doch für Eltern in Randgebieten entstehen so Lücken in der Versorgung. Ohne geplante Neueröffnungen könnten Familien im Norden Willichs künftig längere Wege für die Kinderbetreuung in Kauf nehmen müssen. Die Stadt betont, dass die Anpassungen notwendig seien, um unnötige Kosten zu vermeiden.