19 April 2026, 12:09

Ford-Streik 1973: Wie migrantische Arbeiter:innen in Köln Geschichte schrieben

Polizeibeamte in schwarzen Uniformen und Masken stehen vor einer Menge während einer Demonstration, mit einer Brücke und einem Gebäude im Hintergrund.

Ford-Streik 1973: Wie migrantische Arbeiter:innen in Köln Geschichte schrieben

Ein neues Buch untersucht den Ford-Streik von 1973 in Köln – einen Wendepunkt für migrantische Arbeiter:innen in Deutschland. Unter der Herausgeberschaft von Nihat Öztürk, Nuria Cafaro, Bernd Hüttner und Florian Weis wird darin analysiert, wie der Protest die Arbeitskämpfe prägte und spätere Bewegungen inspirierte. Der Titel "Der Streik hat mir als jungem Menschen Kraft gegeben" unterstreicht den Fokus auf Selbstermächtigung von Migrant:innen und die bis heute andauernden Debatten über Arbeitnehmerrechte.

Am 30. August 1973 legten Beschäftigte im Ford-Werk Köln die Arbeit nieder – aus Protest gegen schlechte Arbeitsbedingungen und mit der Forderung nach einer zusätzlichen D-Mark Lohn pro Stunde. Der Streik, der vor allem von migrantischen Arbeiter:innen getragen wurde, sah sich brutaler Repression durch Polizei und Werksschutz ausgesetzt. Selbst einige deutsche Kolleg:innen stellten sich gegen die Streikenden und verschärften so die Konflikte.

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Der Protest markierte einen historischen Einschnitt und gilt heute als Beginn migrantisch geprägter Arbeitskämpfe. Das Buch wirft zudem ein Licht auf weitere erfolgreiche Streiks desselben Jahres, etwa bei Pierburg in Neuss und Hella in Lippstadt, bei denen migrantische Beschäftigte wichtige Zugeständnisse erkämpften. Diese Ereignisse werden seither in antirassistischen Diskursen aufgegriffen und der Ford-Streik als Meilenstein im Kampf gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz gedeutet.

Über die historische Aufarbeitung hinaus verbindet das Buch die Kämpfe von damals mit aktuellen Konflikten – etwa denen der Berliner Fahrradkurier:innen. Herausgeber Witich Rossmann argumentiert, dass einige moderne Arbeitsbewegungen Gewerkschaften komplett ablehnen – eine These, die andere widersprechen. Die Publikation untersucht zudem die Rolle von Betriebsräten und der IG Metall und hinterfragt, wie stark diese migrantische Arbeiter:innen damals wie heute unterstützten.

Das Buch bietet eine detaillierte Analyse, wie der Ford-Streik von 1973 spätere Generationen migrantischer Aktivist:innen prägte. Es dokumentiert nicht nur die unmittelbaren Auswirkungen des Arbeitskampfs, sondern auch seine anhaltende Relevanz für heutige Debatten über Arbeitnehmerrechte und gewerkschaftliche Strategien. Die Herausgeber:innen verbinden historische Einordnungen mit zeitgenössischen Perspektiven – und halten so die Diskussion lebendig.

Quelle