Radikales Theaterstück feiert Premiere: Körperbilder und gesellschaftliche Tabus auf der Bühne
Marie KrügerRadikales Theaterstück feiert Premiere: Körperbilder und gesellschaftliche Tabus auf der Bühne
Ein mutiges neues Bühnenstück über das Leben dicker Menschen feiert Premiere bei den Wiener Festwochen
Unter der Regie von Rébecca Chaillon, einer prägenden Kulturschaffenden in Frankreich, setzt sich die Produktion mit persönlichen und gesellschaftlichen Körperbildern auseinander. Der Titel La Parabole du Seum trägt dabei mehrere Bedeutungsebenen – von Gleichnissen bis hin zu Wut.
Das Stück Die Parabel der Säure lässt sich von Octavia Butlers Roman Parable of the Sower (Die Parabel der Saat) inspirieren. Eingewoben sind auch Lebensgeschichten einer Popstar und einer Astrophysikerin, die wie Chaillon aus derselben stigmatisierten Banlieue stammen. Die Regisseurin, die sich selbst als „schwarze, dicke, kinderlose, alternde Lesbe“ beschreibt, bringt eine zutiefst persönliche Perspektive auf die Bühne.
Sieben Schauspieler:innen stehen im Mittelpunkt und teilen schonungslos ihre Erfahrungen mit dem eigenen Körper. Sie entschuldigen sich für ihre Erscheinung, gestehen frühere Kämpfe mit dem Essen und stellen sich dem gesellschaftlichen Stigma. Die Energie auf der Bühne ist radikal und unerbittlich – die Darsteller:innen nehmen provokante Posen ein und brechen mit Konventionen. Ein Höhepunkt ist die grotesk-humorvolle Nachstellung der Abnehmshow The Biggest Loser.
Die Uraufführung fand im Odeon im Rahmen der Wiener Festwochen statt. Das Stück stellt Normen infrage und gibt marginalisierten Stimmen Raum. Es hinterlässt beim Publikum einen ungeschönten, eindringlichen Blick auf die Kämpfe und die Widerstandskraft all jener, die sich gesellschaftlichen Erwartungen widersetzen.






