THTR-300 in Hamm: Stilllegung droht durch Insolvenz des Betreibers zu scheitern
Marie KrügerTHTR-300 in Hamm: Stilllegung droht durch Insolvenz des Betreibers zu scheitern
Die Stilllegung des Thorium-Hochtemperaturreaktors (THTR-300) in Hamm, Nordrhein-Westfalen, ist seit Jahrzehnten mit finanziellen und rechtlichen Herausforderungen konfrontiert. Ein jüngstes Gerichtsurteil bestätigte, dass weder das Land noch der Bund über ihre bisherigen Zahlungen hinaus zusätzliche Kosten übernehmen müssen. Unterdessen steht der Betreiber des Kraftwerks nach Jahren technischer Probleme und steigender Ausgaben nun vor einem Insolvenzverfahren.
Der THTR-300 nahm mit einer Leistung von 300 Megawatt den Betrieb auf, litt jedoch unter anhaltenden Schwierigkeiten. In nur 423 Tagen Vollbetrieb wurden 125 meldepflichtige Störfälle verzeichnet. Diese fortlaufenden Probleme führten schließlich zur Abschaltung am 1. September 1989.
Die Stilllegungspläne ziehen sich seit Jahren hin, wobei der aktuelle Zeitplan eine Fertigstellung bis 2030 vorsieht. Gebrochene Haltebolzen in der Heißgasleitung erzwangen eine frühere Abschaltung, während die Vorbereitungen für den Rückbau nun von 2028 bis 2044 laufen sollen. Bisher belaufen sich die Gesamtkosten seit Ende des kommerziellen Betriebs auf rund 441 Millionen Euro.
Die Finanzierung der Stilllegung erfolgte aus mehreren Quellen. Die Betreibergesellschaft trug etwa 156 Millionen Euro bei, das Land Nordrhein-Westfalen steuerte 152 Millionen Euro bei, und der Bund zahlte weitere 133 Millionen Euro. Trotz dieser Zahlungen entschied das Oberlandesgericht Düsseldorf, dass weder das Land noch der Bund weitere Kosten übernehmen müssen.
Die finanzielle Belastung für den Betreiber, die Hochtemperatur-Kernkraftwerk GmbH (HKG), hat inzwischen einen kritischen Punkt erreicht. Am 23. September 2025 stellte das Amtsgericht Dortmund das Unternehmen unter vorläufige Insolvenzverwaltung.
Historisch gesehen gehörten zu den Anteilseignern der HKG die Städte Bielefeld, Aachen, Hagen und Wuppertal. Obwohl diese Kommunen seit der Gründung des Unternehmens im Jahr 1968 beteiligt sind, bleiben ihre aktuellen Rollen und genauen Beteiligungsverhältnisse in öffentlichen Unterlagen unklar.
Die Stilllegung des THTR-300 bleibt ein langfristiges Projekt mit festgelegter Finanzierung und einem strengen Zeitplan. Das Insolvenzverfahren des Betreibers bringt zusätzliche Unsicherheit in den Prozess. Die Gerichtsentscheidung stellt sicher, dass keine weiteren öffentlichen Mittel über die bereits ausgegebenen 441 Millionen Euro hinaus bereitgestellt werden.






