Weidemilch: Warum der Name oft mehr verspricht als die Realität hält
Elias KellerWeidemilch: Warum der Name oft mehr verspricht als die Realität hält
Viele Verbraucher:innen gehen davon aus, dass Weidemilch bedeutet, Kühe grasen das ganze Jahr über frei auf der Weide – doch die Realität ist komplexer. Der Begriff selbst ist rechtlich nicht geschützt, was Spielraum für Missverständnisse über die Haltungspraktiken lässt. Nun hat die Verbraucherzentrale NRW klargestellt, was verschiedene Siegel tatsächlich über den Tierschutz aussagen.
Damit Milch als Weidemilch verkauft werden darf, müssen Kühe mindestens 120 Tage im Jahr auf der Weide verbringen. Dennoch bleibt für viele Kund:innen unklar, wie die Tiere in den restlichen Monaten gehalten werden. Selbst beim Haltungsform-Siegel Stufe 3 ist eine Anbindung außerhalb der Weidezeiten möglich – es sei denn, auf der Verpackung steht ausdrücklich Weidemilch in Kombination mit dem Siegel.
Einige Label gehen weiter: Pro Weideland, "Für mehr Tierschutz" (Premium) sowie Bio-Siegel verbieten die Anbindung komplett. Auch die Haltungsform-Stufen 3, 4 und 5 bei Weidemilch-Produkten schließen diese Praxis aus. Milch, die jedoch nur das Stufe-3-Siegel trägt – ohne den Zusatz Weidemilch – kann von Kühen stammen, die nie auf der Weide stehen.
Weidegang fördert nachweislich die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere. Doch ohne strengere Vorgaben garantiert der Begriff allein kein durchgängiges Leben im Freien. Die Verbraucherzentrale NRW bietet auf ihrer Website ausführliche Orientierungshilfen an, darunter auch frei nutzbare Bilder mit korrekter Quellenangabe.
Da Weidemilch rechtlich nicht geschützt ist, müssen Kund:innen die Label genau prüfen. Nur bestimmte Zertifizierungen sichern zu, dass Kühe nie angebunden werden und mindestens 120 Tage auf der Weide verbringen. Weitere Informationen gibt es unter www.verbraucherzentrale.nrw/node/35574.






