Zuckerrübenanbau in Deutschland kämpft mit sinkenden Flächen und neuen Krankheiten
Lara MeyerZuckerrübenanbau in Deutschland kämpft mit sinkenden Flächen und neuen Krankheiten
Zuckerrübenanbau in Deutschland gerät zunehmend unter Druck
Seit 2020 ist die Anbaufläche für Zuckerrüben in Deutschland von etwa 43.000 Hektar auf rund 40.000 Hektar im Jahr 2025 geschrumpft. Die Landwirte sehen sich einer Kombination aus sinkenden Preisen, steigenden Kosten und wachsenden Herausforderungen durch Krankheiten und Unkraut gegenüber.
Die Branche sucht nach Lösungen, da herkömmliche Methoden gegen die neuen Bedrohungen kaum noch wirksam sind. Einige Betriebe haben ihre Produktion bereits gedrosselt, während andere innovative Pflanzenschutzmittel testen, um ihre Erträge zu sichern.
Preisverfall und hohe Kosten belasten die Erzeuger Die niedrigen Weltmarktpreise für Zucker und die hohen Produktionskosten treffen die deutschen Rübenbauern hart. Die Abschaffung der EU-Zuckerquoten 2017 führte zu einem Überangebot, das die Preise weiter drückte. Gleichzeitig stiegen die Ausgaben für Düngemittel und Energie, was die Gewinnmargen weiter schmälert. Wetterrisiken wie Dürren und pilzliche Erkrankungen – etwa die durch Rhizoctonia verursachte Wurzelfäule – verschärfen die Lage zusätzlich.
Auf Höfen wie der Metternich-Ratibor-Corvey KG in Höxter (Nordrhein-Westfalen) wurde die Rübenanbaufläche bereits reduziert. Verschärft wird die Situation durch zollfreie Zuckerimporte im Rahmen des Mercosur-Handelsabkommens. Krankheiten wie die Stolbur-Vergilbung (SBR) und die Cercospora-Blattfleckenkrankheit sowie resistente Unkräuter zählen mittlerweile zu den größten Ertragsrisiken.
Neue Pflanzenschutzmittel als Hoffnungsträger Um gegenzusteuern, setzen die Landwirte auf moderne Pflanzenschutzlösungen. Notfallzulassungen halfen zwar, akute Ausbrüche einzudämmen, doch nachhaltige Lösungen sind gefragt. Seit 2026 sind Fungizide wie Badge WG, Coprantol Duo und Recudo dauerhaft gegen die Cercospora-Blattfleckenkrankheit zugelassen. Erste Versuche mit Rinpode, einem Herbizid mit niedriger Aufwandmenge, zeigen vielversprechende Ergebnisse – besonders gegen Hirsegräser und Ausfallraps.
Betriebsleiter Marius Feldmann testete Rinpode auf 44 Hektar und lobte die einfache Handhabung, die Verträglichkeit mit anderen Behandlungen und die hohe Wirksamkeit. Solche Innovationen könnten helfen, Erträge und Zuckergehalt zu stabilisieren – und damit den kämpfenden Betrieben eine Atempause verschaffen. Neben Herbiziden kommen auch neue Fungizide und Biostimulanzien zum Einsatz, um die Kulturen vor aufkommenden Schädlingen und Krankheiten zu schützen.
Langfristige Perspektiven ungewiss Sinkt der Rübenanbau weiter, droht die heimische Zuckerversorgung in Deutschland ins Wanken zu geraten. Ohne bessere Marktbedingungen oder wirksamere Krankheitsbekämpfung könnten noch mehr Landwirte die Produktion aufgeben. Zwar bieten neue Pflanzenschutzmittel derzeit eine Möglichkeit, die Erträge zu halten – doch ihr langfristiger Erfolg hängt von der Stabilität der gesamten Branche ab.