NRW-Psychotherapeuten protestieren gegen drohende Honorarkürzungen und Versorgungskrise
Lara MeyerNRW-Psychotherapeuten protestieren gegen drohende Honorarkürzungen und Versorgungskrise
Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Nordrhein-Westfalen (NRW) bereiten sich auf Proteste gegen geplante Honorarkürzungen vor, die für diesen Donnerstag anstehen. Die Demonstrationen finden in mehreren Großstädten statt, darunter Köln, Düsseldorf und Dortmund. Fachleute warnen, dass die Kürzungen die Versorgung mit psychotherapeutischen Leistungen im gesamten Bundesland weiter verschlechtern könnten.
Die geplanten Honorarsenkungen sind Teil eines Vorhabens der Krankenkassen, die Erstattungssätze für psychotherapeutische Behandlungen ab dem 1. April 2026 um 4,5 Prozent zu reduzieren. Aktuell zahlen gesetzlich Versicherte 119,89 Euro pro Sitzung, privat Versicherte dagegen 167,58 Euro. Die Psychotherapeutenkammer NRW befürchtet, dass niedrigere Vergütungen noch mehr Therapeuten dazu veranlassen könnten, sich auf Privatpatienten zu konzentrieren – mit der Folge, dass gesetzlich Versicherte noch länger auf Termine warten müssten.
In NRW betragen die Wartezeiten für ein Erstgespräch bereits im Schnitt fünf Monate. Zudem herrscht im Land ein massiver Mangel an "Kassensitzen" – den Zulassungen für die Behandlung gesetzlich Versicherter. Bundesweit fehlen schätzungsweise 7.000 dieser Stellen, wobei die Übernahme eines solchen Sitzes bis zu 50.000 Euro kosten kann. Dies belastet die ohnehin schon am schlechtesten verdienenden Fachkräfte im Gesundheitswesen zusätzlich.
Besonders betroffen sind ländliche Regionen, wo veraltete Planungsvorgaben und regionale Ungleichheiten die Versorgung erschweren. Die Kammer warnt, dass weitere Kürzungen die Zahl der verfügbaren Therapeuten weiter verringern und die Krise in der psychotherapeutischen Versorgung vertiefen könnten.
Die Proteste spiegeln die wachsende Verärgerung unter Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten über finanzielle Belastungen und strukturelle Engpässe wider. Sollten die Kürzungen umgesetzt werden, drohen gesetzlich Versicherten noch längere Wartezeiten und eine verstärkte Abwanderung in die Privatpraxis. Die Folgen könnten ein bereits überlastetes psychotherapeutisches Versorgungssystem in NRW weiter an den Rand der Belastbarkeit bringen.






