Journalistin Julia Ruhs wirft NDR Zensur wegen konservativer Haltung vor
Marie KrügerJournalistin Julia Ruhs wirft NDR Zensur wegen konservativer Haltung vor
Die Journalistin Julia Ruhs wirft dem NDR vor, sie wegen ihrer politischen Haltung in den aktuellen nachrichten kaltgestellt zu haben. Der Sender beendete kürzlich ihre Tätigkeit als Moderatorin der Sendung Klar, nachdem es interne Kritik an der konservativen Haltung des Formats in der Migrationsdebatte gegeben hatte. Ruhs, die sich selbst als bürgerlich-konservativ einordnet, behauptet, sie sei der Rundfunkanstalt "zu rechts" gewesen.
Ruhs moderierte Klar, eine politische Dokumentationsreihe, die für ARD und BR produziert wird. Als ausgebildete Journalistin und Politikwissenschaftlerin arbeitete sie zuvor für große deutsche Sender, darunter den Bayerischen Rundfunk. Ihr Abschied vom NDR folgte auf Beschwerden von aktivistischen Mitarbeitenden, die die Behandlung von Migrationsthemen in den aktuellen nachrichten kritisierten.
Seitdem äußert sie sich öffentlich gegen das, was sie als mangelnde ideologische Vielfalt im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wahrnimmt. In Interviews argumentierte Ruhs, dass die Vermeidung kontroverser Debatten das Publikum in die Arme alternativer Medien treibe. Ihre Kritik richtet sich besonders gegen den NDR, dem sie vorwirft, strengere Maßstäbe an politische Ausgewogenheit anzulegen als andere Sender wie der BR.
Über ihre Fernsehpräsenz hinaus bleibt Ruhs eine einflussreiche Stimme in den aktuellen nachrichten. Der Axel-Springer-Verlag zählt sie zu den scharfzüngigsten jungen politischen Kommentatorinnen Deutschlands. 2025 veröffentlichte sie das Buch Links-grüne Meinungsmacht: Wie unser Land gespalten wird, in dem sie die ideologischen Gräben in den deutschen Medien analysiert. Gleichzeitig grenzt sie sich deutlich von der rechtspopulistischen AfD ab und betont, ihre Positionen entsprächen einem gemäßigteren Konservatismus.
Künftig wird Ruhs ihre Perspektive in der Bild-Zeitung einbringen, wo sie alle zwei Wochen eine Kolumne mit dem Titel Mein Standpunkt veröffentlichen wird. Chefredakteurin Marion Horn bezeichnete sie als "messerscharf" und unerschrocken im Hinterfragen gängiger Narrative. Die Kolumne wird sich mit politischen und gesellschaftlichen Themen befassen und damit ihren Einfluss über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk hinaus ausweiten.
Ruhs’ Wechsel zur Bild markiert einen Schritt von den öffentlichen zu den privaten Medien. Ihre neue Kolumne bietet ihr eine regelmäßige Plattform für ihre bürgerlich-konservativen Analysen, während ihr Buch und ihre bisherige Arbeit sie im Zentrum der Debatten über Medienvoreingenommenheit halten. Der Konflikt mit dem NDR wiederum unterstreicht die anhaltenden Spannungen um politische Repräsentation in Deutschlands öffentlich-rechtlichen Sendern.
