Protestwelle in Ratingen: Warum die geplante Flüchtlingsunterkunft die Gemüter erhitzt
Leon KrausProtestwelle in Ratingen: Warum die geplante Flüchtlingsunterkunft die Gemüter erhitzt
Geplante Flüchtlingsunterkunft in Ratingen stößt auf heftigen Widerstand der Anwohner
Eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Ratingen sieht sich mit massiver Ablehnung der lokalen Bevölkerung konfrontiert. Die Einrichtung, die im Gewerbegebiet der Stadt entstehen soll, wird 60 alleinstehende Männer aufnehmen – überwiegend syrische und afghanische Geflüchtete im Alter von 20 bis 63 Jahren. Anwohner werfen der Stadt vor, sie erst kurzfristig informiert zu haben; eine Informationsveranstaltung zog daraufhin rund 100 Teilnehmer an.
Die Unterkunft, die aus Container-Modulen besteht, bietet jedem Geflüchteten ein eigenes Zimmer. Laut Behörden soll sie die angespannte Wohnraumsituation entlasten: Die Hälfte der Männer ist bereits berufstätig, weitere 30 Prozent nehmen an Integrationsprogrammen teil.
Die Stadt kündigte die Einrichtung jedoch erst zehn Tage vor der Veranstaltung an, was bei den Anwohnern auf Unverständnis stieß. Das betroffene Gebiet in Ratingen-West gilt als sozialer Brennpunkt mit hohem Migrationsanteil, was die lokalen Spannungen zusätzlich verschärft. Martin Sahler vom Caritas-Verband vermutet, dass die hohe Teilnehmerzahl auch auf Mobilisierung durch die rechtspopulistische AfD zurückzuführen sein könnte. Der AfD-Stadtrat Martin Kostyra bestätigte, er habe Bürger zur Teilnahme aufgefordert.
Trotz der Proteste soll die Unterkunft wie geplant eröffnet werden. Sie wird 60 anerkannten Flüchtlingen mit legalem Aufenthaltsstatus in Deutschland Wohnraum bieten. Änderungen am Konzept gab es nach der Veranstaltung laut Stadt nicht.
