04 March 2026, 09:18

Rechtsextremismus wird jünger: Wie digitale Netzwerke Jugendliche radikalisieren

Eine Gruppe von Menschen, die eine Tafel mit der Aufschrift "Öffne die Grenzen, rette Leben, kämpfe gegen Faschismus" vor einem Gebäude mit Glasfenstern und einem Mast im Hintergrund hält. Auf der Straße befindet sich auch ein Fahrrad und eine Tasche.

Rechtsextremismus wird jünger: Wie digitale Netzwerke Jugendliche radikalisieren

Rechtsextremismus in Deutschland wird jünger und digitaler

Sicherheitsdaten aus dem Jahr 2025 zeigen: Mehr als 5.100 Tatverdächtige unter 21 Jahren sind in rechtsextreme Straftaten verwickelt. Viele von ihnen werden über Online-Netzwerke und jugendorientierte Gruppen mit subtiler extremistischer Botschaft angeworben.

Die Entwicklung alarmiert die Behörden – besonders in Nordrhein-Westfalen, wo die Sicherheitsbehörden die sogenannte Neue Rechte beobachten. Ihr Einfluss überschneidet sich mit offen gewaltbereiten neonazistischen Gruppierungen, von denen einige mittlerweile fast ausschließlich aus Jugendlichen und jungen Erwachsenen bestehen.

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Die jüngsten Rekruten gelangen oft über die Active Clubs in die Szene, die Freizeitaktivitäten und Kampfsport mit rechtsextremer Ideologie verbinden. Diese Gruppen sprechen gezielt verletzliche Jugendliche an, insbesondere solche ohne stabile soziale Bindungen. Begriffe wie Volk, Heimat und rassistische Identitätskonzepte finden bei jungen Männern in diesen Kreisen großen Anklang.

Eine zentrale Rolle bei der Radikalisierung spielen digitale Räume. Rechtsextreme Echokammern verherrlichen Massenmörder wie Anders Breivik und verbreiten gewaltverherrlichende Rhetorik. In Köln führte ein 13-jähriger Junge eine Chatgruppe an, in der Anleitungen zum Bombenbau geteilt und zu Anschlägen auf Juden und Afrikaner aufgerufen wurde. Ähnlich plante ein 16-Jähriger in Essen ein Schulmassaker, bevor die Polizei einschritt.

Neonazistische Jugendorganisationen wie Jung & Stark, Störtrupp und Deutsche Jugend voran zählen mittlerweile kaum noch Mitglieder über 23 Jahre. Die Sicherheitsstatistiken verzeichnen 3.163 männliche und 376 weibliche Tatverdächtige im Alter von 14 bis 17 Jahren sowie 1.426 Männer und 166 Frauen zwischen 18 und 20 Jahren – alle im Zusammenhang mit rechtsextremen Straftaten. Die Pandemie hat diesen Trend zu einer jüngeren, digital geprägten Extremismusszene beschleunigt.

Doch das Problem beschränkt sich nicht auf den Rechtsextremismus. In Nordrhein-Westfalen ist mit Hanna Hansen, einer ehemaligen Boxerin und Model, eine einflussreiche islamistische Figur mit über 200.000 Followern aufgestiegen. Ihr Beispiel zeigt, wie extremistische Bewegungen zunehmend digitale Plattformen nutzen, um junge Zielgruppen zu erreichen.

Die deutschen Behörden stehen vor einer wachsenden Herausforderung: Der Rechtsextremismus wirbt gezielt unter Jugendlichen. Die Daten von 2025 unterstreichen das Ausmaß – Tausende unter 21 Jahren sind bereits in extremistische Strukturen eingebunden. Präventivmaßnahmen konzentrieren sich nun darauf, Online-Netzwerke zu zerschlagen und die sozialen Schwächen zu bekämpfen, die junge Menschen anfällig für Radikalisierung machen.