08 February 2026, 12:12

Deutsche Krankenhäuser unvorbereitet auf Großschadenslagen – Experten schlagen Alarm

Ein gerahmtes Plakat zum 70. Jubiläum des Kaiser-Huldigungsfestes in Berlin, Deutschland, mit einer Gruppe von Menschen in der Mitte und umgeben von Text und Zahlen.

Deutsche Krankenhäuser unvorbereitet auf Großschadenslagen – Experten schlagen Alarm

Deutsche Krankenhäuser sind schlecht auf Großschadenslagen vorbereitet

Die Krankenhäuser in Deutschland weisen erhebliche Lücken in der Notfallvorsorge auf und wären im Falle einer großflächigen Krise nur unzureichend gerüstet. Eine aktuelle Umfrage in Nordrhein-Westfalen (NRW) zeigt, dass den meisten Einrichtungen unterirdische Schutzräume, zuverlässige Wasserreserven oder langfristige Stromlösungen fehlen. Experten warnen: Ohne grundlegende Reformen könnten medizinische Einrichtungen bei einem Angriff oder einer Katastrophe mit Massenanfall von Verletzten überfordert sein.

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Während des Kalten Krieges hatte NRW noch Hilfsbunker zu medizinischen Schutzräumen umfunktioniert – doch alle wurden inzwischen geschlossen. Heute verfügt kein einziges Krankenhaus im Land – und bundesweit – über eine betriebsbereite unterirdische Schutzeinrichtung. Selbst das Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz bietet keinen solchen Schutz, und weder auf Bundes- noch auf Landesebene gibt es Pläne für einen Neubau.

Wasserversorgung als kritische Schwachstelle Ein weiteres großes Risiko stellt die Wasserverorgung dar: Vier von fünf Krankenhäusern sind vollständig von externen Lieferanten abhängig, nur jedes fünfte lagert einen Vorrat an Flaschenwasser für eine Woche. Auch Blutkonserven wären in einer Krise schnell aufgebraucht, wenngleich die meisten Einrichtungen essenzielle Medikamente für zwei bis sechs Wochen bevorraten.

Stromnotversorgung: Unterschiedliche Standards Die Notstromsysteme variieren stark. Eine Erhebung unter 53 NRW-Kliniken ergab, dass 40 über Notstromaggregate verfügen – mehr als die Hälfte davon könnte den Betrieb drei Tage aufrechterhalten. Das Bergmannsheil, ein Traumazentrum in Bochum, entspricht diesem Standard mit fünf Dieselgeneratoren und Treibstoff für 72 Stunden, was in Deutschland weit verbreitet ist.

Fehlende Übungen und Mittel Training und Finanzierung bleiben Dauerprobleme. Enge Budgets machen großangelegte Notfallübungen zur Seltenheit, da weder Länder noch Bund die Kosten übernehmen. Der Wirbelsäulenspezialist Mirko Aach äußert Zweifel an der Fähigkeit der Krankenhäuser, einen Massenanfall von Verletzten zu bewältigen. Professor Boris Augurzky schlägt ein rotierendes Lagerungssystem für Medikamente vor, um Verschwendung zu vermeiden.

In Köln haben städtische Kliniken einen zweistöckigen Keller vorgeschlagen, der im Frieden als Parkhaus und im Krisenfall als medizinische Notfallzentrale dienen könnte. Doch NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) räumt ein, dass keine Landesmittel verfügbar seien, und verweist stattdessen auf den Bundeshaushalt für Verteidigung.

Fazit: Unzureichende Vorsorge, unklare Lösungen Deutschlands Krankenhäuser verfügen derzeit weder über die nötige Infrastruktur noch über ausreichende Vorräte oder Finanzmittel, um eine längerfristige Krise zu meistern. Ohne Schutzräume, gesicherte Wasserreserven oder erweitertes Training bleibt ihre Handlungsfähigkeit bei Großschadenslagen begrenzt. Vorschläge wie der Kölner Mehrzweckkeller hängen von Bundesgeldern ab – die bisher jedoch nicht fließen.